Trotz der Zusicherungen von Jerome Powell bezüglich der Zinssätze der Federal Reserve hat der Anstieg des Ölpreises am Montag Druck auf US-Aktien und Krypto ausgeübt.
Summary
Powell beruhigt die Märkte mit Aussagen zu den Zinssätzen
Bei einem Vortrag an der Harvard-Universität erklärte der Vorsitzende der Federal Reserve, Jerome Powell, dass die Zentralbank vorerst über die energiebedingten Schocks im Zusammenhang mit dem Iran hinwegsehen wolle. Der Fokus bleibt auf den Inflationserwartungen, die Powell als „gut verankert“ bezeichnete.
Diese Aussagen trugen dazu bei, einen bereits angespannten Anleihemarkt zu beruhigen, der begann, eine baldige Zinserhöhung signifikant einzupreisen. Zudem sanken die Renditen für wichtige Laufzeiten im Laufe des Tages deutlich.
Die Rendite der 10-jährigen Treasury fiel um 9 Basispunkte auf 4,35%, während die zweijährige US-Anleihe um 8 Basispunkte auf 3,83% sank. Dies ist eine bedeutende Bewegung im Vergleich zu den vorherigen Sitzungen.
Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung für 2026 stark gesunken
Powells Worte spiegelten sich auch in den Erwartungen der Geldpolitik wider. Laut den Daten von CME FedWatch sind die Wahrscheinlichkeiten für eine oder mehrere Zinserhöhungen im Jahr 2026 von 25% am Freitag auf 5% gesunken.
Diese Anpassung der Erwartungen signalisiert, dass der Markt eine aggressive Reaktion der Fed auf den aktuellen Energieschock für weniger wahrscheinlich hält. Dennoch bleibt die Dynamik des Rohöls ein bedeutendes Risiko für Investoren.
Ölpreisanstieg und Druck auf die Aktienmärkte
Im deutlichen Gegensatz zur Entspannung der Anleihemärkte belastete der Anstieg des Ölpreises weiterhin risikobehaftete Vermögenswerte. Der WTI schloss erstmals seit 2022 über der Marke von 100 Dollar pro Barrel.
Am Montag stieg der WTI-Preis heute um 5,3% und lag knapp unter 105 Dollar pro Barrel. Obwohl er seit dem Ausbruch des Konflikts mit dem Iran bereits über 100 Dollar gehandelt wurde, hatte er seit 2022 keinen Schlusskurs über dieser Schwelle mehr verzeichnet.
Dieser Anstieg des Ölpreises stellt einen potenziellen iranischen Ölschock dar, den die Fed derzeit beobachtet, ohne die Zinssätze zu ändern. Dennoch könnte die Entwicklung der Energiepreise die Debatte über Inflation und Geldpolitik neu entfachen.
Auswirkungen auf die US-Aktienmärkte
Trotz eines deutlichen Anstiegs zu Beginn schlossen die wichtigsten US-Indizes schließlich im negativen Bereich. Der Nasdaq verlor 0,75%, während der S&P 500 um 0,4% nachgab.
Die Kombination aus sinkenden Renditen und stark steigenden Ölpreisen schuf ein gemischtes Bild für Investoren. Einerseits unterstützte die Verlangsamung der Fed-Zinserwartungen die zinssensitiveren Titel. Andererseits belastete der Anstieg der Energiepreise die allgemeine Stimmung.
Dennoch hatte der starke Anstieg des Ölpreises einen stärkeren Einfluss auf die Märkte als die Erleichterung von der Anleihenseite. Das Risiko von Margendruck für viele Unternehmen bleibt im Mittelpunkt der Bewertungen.
Öleffekt auf Aktien und Krypto: Bitcoin gibt Gewinne ab
Der Kryptowährungssektor litt unter demselben Risikoaversion-Klima, das auch Wall Street traf. Bitcoin eröffnete den Tag im Plus, gab jedoch einen Großteil der Gewinne wieder ab.
Am Ende der Sitzung kehrte die führende Krypto in den Bereich von 66.500 Dollar zurück, was im Vergleich zu den vorherigen 24 Stunden im Wesentlichen unverändert war. Auch hier reagierte der Markt stärker auf den Anstieg der Energiepreise als auf die Zinssicherungen.
Darüber hinaus schürt der Anstieg des Ölpreises Befürchtungen neuer Inflationsdrucke, die in der Vergangenheit unterschiedliche Auswirkungen auf digitale Vermögenswerte hatten. Einerseits stärken sie die Erzählung von Bitcoin als potenzielle Absicherung; andererseits verringern sie die Risikobereitschaft kurzfristig.
Makro-Szenario: Inflation und Ölpreis bleiben zentral
Powells Worte zeigen eine Fed, die vorerst nicht automatisch auf den Anstieg des Rohölpreises reagieren will. „Vielleicht werden wir in Zukunft die Frage angehen, was zu tun ist“, erklärte er und betonte, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen noch unklar seien.
Darüber hinaus bleibt die Verbindung zwischen Inflation und Ölpreis ein entscheidendes Element, um den Kurs der Zinssätze in den kommenden Monaten zu bestimmen. Sollten sich die langfristigen Erwartungen nach oben verschieben, könnte die Zentralbank gezwungen sein, ihren Kurs zu ändern.
Insgesamt hat die Sitzung gezeigt, wie ein Anstieg des Ölpreises schnell die Vorteile eines ruhigeren Anleihemarktes zunichtemachen kann. Für Aktien und Krypto bleibt die Entwicklung der Energiepreise daher ein entscheidender Faktor.

