Die IPO-Bewertung von SpaceX ist zu einer der dramatischsten Geschichten der jüngeren Markthistorie geworden – nicht wegen der Höhe, die sie erreichte, sondern wegen der Geschwindigkeit, mit der sie wieder fiel. Das Unternehmen, das am 11. Juni den teuersten Börsengang aller Zeiten bepreiste, hat nun mitansehen müssen, wie in etwas mehr als einem Monat über eine Billion US‑Dollar verdampften – gemessen an der Spitzenmarktkapitalisierung. Das wirft schwierige Fragen dazu auf, wofür der Markt tatsächlich bezahlt hat, als er SpaceX in die Stratosphäre trieb.
Summary
Wichtigste Erkenntnisse
- Der Börsengang von SpaceX am 11. Juni brachte bei einem Ausgabepreis von 135 US‑Dollar je Aktie rund 75 Milliarden US‑Dollar ein – der teuerste in der Geschichte.
- Die Aktien erreichten am 16. Juni ein Tageshoch von 225,64 US‑Dollar und verschafften SpaceX damit kurzzeitig eine Marktkapitalisierung von 2,95 Billionen US‑Dollar – mehr als Amazon und Microsoft.
- Seitdem ist die Aktie auf unter 140 US‑Dollar je Aktie gefallen, wodurch etwa 1,1 Billionen US‑Dollar der Spitzenbewertung ausgelöscht wurden.
- Morningstar setzte den fairen Wert auf 63 US‑Dollar je Aktie fest, während Michael Burry öffentlich infrage stellte, ob SpaceX überhaupt 1 Billion US‑Dollar wert sei.
- Die Aufnahme von SpaceX in den Nasdaq 100 am 7. Juli – von der man sich einen Schub für die Aktie versprach – löste stattdessen einen Rückgang von über 6 % aus.
Historischer SpaceX‑Börsengang und der dreitägige Rausch
Als SpaceX seine Aktien am 11. Juni zu 135 US‑Dollar bepreiste, 555.555.555 Aktien verkaufte und rund 75 Milliarden US‑Dollar einnahm, stellte das Unternehmen sofort einen Rekord auf. Kein Börsengang in der Geschichte hatte je so viel Kapital eingesammelt. Dann begann das eigentliche Spektakel.
Die Aktie eröffnete am 12. Juni bei 150 US‑Dollar und schloss den ersten Handelstag bei 160,95 US‑Dollar – ein Plus von 19 % gegenüber dem Ausgabepreis in nur einer Sitzung. Elon Musk wurde laut CNBC durch diesen Kurssprung kurzzeitig zum ersten Billionär der Welt.
Damit war noch nicht Schluss. Bis zum 16. Juni, nach nur drei Handelstagen, erreichte SpaceX ein Tageshoch von 225,64 US‑Dollar und trieb die Marktkapitalisierung auf 2,95 Billionen US‑Dollar. In diesem Moment hatte das Raketenunternehmen Amazon und Microsoft im globalen Ranking der börsennotierten Konzerne überholt. Analyst Keith Snyder von CFRA beschrieb den Rausch teilweise als KI‑Wette: „Bei Elon Musk sorgt jedes Unternehmen, das er anfasst, für Begeisterung. Aber dies war auch das erste Mal, dass die Leute das Gefühl hatten, in etwas investieren zu können, das als KI‑Story vermarktet wurde.“
SpaceX hatte zuvor Musks KI‑Startup xAI übernommen, das kürzlich in SpaceXAI umbenannt wurde, und begonnen, Rechenzentrums‑Kapazitäten an andere Tech‑Unternehmen zu vermieten – Zutaten, die Investoren eine breitere Technologiestory jenseits von Raketen und Satelliten sehen ließen.
Rasanter Rückgang von Aktienkurs und Marktkapitalisierung
Die Umkehr verlief fast so schnell wie der Aufstieg. Von einem Höchststand von 2,95 Billionen US‑Dollar ist die Marktkapitalisierung von SpaceX auf unter 1,8 Billionen US‑Dollar gefallen – ein Rückgang von rund 1,1 Billionen US‑Dollar oder etwa 38 % gegenüber dem Hoch vom 16. Juni.
Spitzenbewertung und schneller Einbruch
Der schlechteste einzelne Handelstag seit dem Debüt war der 22. Juni, als die Aktie um 16 % fiel und bei 154,60 US‑Dollar schloss. Als Starlink dann Preissenkungen im Raum Memphis, Tennessee, ankündigte – im Zusammenhang mit lokalen Bedenken über ein Rechenzentrumsprojekt – gaben die SpaceX‑Aktien an diesem Tag allein um 8 % nach. Jede Schlagzeile, die den Fokus von spekulativen KI‑Narrativen zurück auf das tatsächliche Geschäft des Unternehmens – Raketenstarts und Satelliteninternet – lenkte, schien an der Prämie zu nagen, die Investoren zuvor eingepreist hatten.
Diese Dynamik ist wichtig, weil sie etwas Wesentliches über die ursprüngliche Rallye offenbart: Ein großer Teil war auf Wachstumsstorys bepreist, die bislang noch keine Umsätze generieren. In der IPO‑Meldung von SpaceX wurden Umsätze von 18,7 Milliarden US‑Dollar für 2025 bei einem Nettoverlust von 4,9 Milliarden US‑Dollar ausgewiesen. Die Lücke zwischen dieser finanziellen Realität und der kurzzeitig erreichten Bewertung von 2,95 Billionen US‑Dollar ist es, die scharfe Reaktionen professioneller Investoren hervorrief.
Wer tatsächlich Geld verliert
Die Verluste verteilen sich nicht gleichmäßig. Jeder Investor, der zum IPO‑Preis von 135 US‑Dollar eingestiegen ist, liegt weiterhin leicht im Plus – aktuell etwa 3 % im grünen Bereich. Normale Privatanleger, die die Aktie zum Eröffnungskurs von 150 US‑Dollar am 12. Juni kauften, liegen dagegen nun rund 7 % im Minus. Wer dem Kurs bis nahe an das Hoch von 225 US‑Dollar hinterherlief, sitzt auf Verlusten von fast 38 %. Der Unterschied zwischen einem IPO‑Insider und einem Käufer am öffentlichen Markt war selten so deutlich wie in diesem einen Handelsmonat.
Anleger‑Skepsis und die Bewertungsdebatte
Nicht alle ließen sich von der anfänglichen Euphorie mitreißen. Die Skepsis war laut, pointiert und – bislang – gut begründet.
Michael Burrys Kritik an der Bewertung
Michael Burry, der Investor, der durch seine vorausschauende Wette gegen den US‑Immobilienmarkt in „The Big Short“ bekannt wurde, schrieb, „nichts in diesem S‑1 deutet darauf hin, dass es 1 Billion US‑Dollar wert ist, geschweige denn 2 Billionen“. Seine Analyse verwies direkt auf die Finanzdaten der IPO‑Unterlagen: prognostizierte Umsätze von 18,7 Milliarden US‑Dollar für 2025 bei einem Nettoverlust von 4,9 Milliarden US‑Dollar. Burry prüfte die Möglichkeit, SpaceX leerzuverkaufen, ließ letztlich aber davon ab, da Leihgebühren und Optionsprämien eine Wette gegen die Aktie seiner Ansicht nach zu teuer machten – selbst wenn er die Bewertung für ungerechtfertigt hielt.
Analystenbewertungen und Kursziele
Morningstar war präziser. Das Research‑Haus setzte den fairen Wert zum Zeitpunkt des Börsengangs auf 63 US‑Dollar je Aktie – weniger als die Hälfte des Ausgabepreises und deutlich unter einem Drittel des zwischenzeitlichen Höchststands. Diese 63 US‑Dollar markieren ein Extrem in einem inzwischen sehr breiten Spektrum. Oppenheimer hob sein Kursziel auf 250 US‑Dollar an, Jefferies erhöhte sein Kursziel kürzlich um 25 US‑Dollar, und andere Banken haben die Beobachtung mit Zielen von bis zu 300 US‑Dollar je Aktie aufgenommen. Die starke Divergenz der Analystenmeinungen ist selbst ein Signal: Niemand hat einen wirklich sicheren Griff darauf, was SpaceX tatsächlich wert ist.
Auswirkungen der Indexaufnahme auf die Kursentwicklung
Einer der kontraintuitivsten Momente im ersten Monat von SpaceX an der Börse war der 7. Juli. Die Aufnahme der Aktie in den Nasdaq‑100‑Index – ein Ereignis, das üblicherweise durch Käufe passiver Fonds einen mechanischen Schub bringt – führte stattdessen zu einem Rückgang von über 6 %. Anleger, die die Gerüchte gekauft hatten, verkauften die Nachricht. Die Börse hatte ihre Regeln eigens angepasst, um neuen Börsenkandidaten den Eintritt in den Index innerhalb eines Monats nach dem Debüt zu ermöglichen – die Aufnahme von SpaceX erfolgte also ungewöhnlich schnell. Dass die Aktie dennoch fiel, deutet darauf hin, dass die Welle passiver Käufe mehr als durch Gewinnmitnahmen jener überkompensiert wurde, die sich im Vorfeld positioniert hatten.
Darin steckt eine breitere Lektion. Wenn eine Aktie so stark diskutiert und spekulativ positioniert ist wie SpaceX in den ersten Wochen, können selbst eindeutig positive Katalysatoren zu Verkaufsgelegenheiten werden. Die Aufnahme in den Nasdaq 100 war real, die passive Nachfrage war real, aber die Vorwegnahme dieses Ereignisses war im Kurs bereits zu weit vorweggenommen.
Am Montag notierten die Aktien im mittleren Bereich der 130 US‑Dollar – und damit wieder nahe am ursprünglichen IPO‑Preis von 135 US‑Dollar. Ein zweiter aufeinanderfolgender Verlusttag, kombiniert mit dem Abschluss einer FAA‑Untersuchung zu einem Starship‑Booster‑Fehler bei einem Testflug im Mai, hielt die Stimmung fragil. Die Entscheidung der FAA ermöglicht SpaceX jedoch den Start von Starship Flug 13, mit einem Startfenster ab Donnerstag, 18:45 Uhr ET – eine Erinnerung daran, dass der operative Kalender des Unternehmens unabhängig davon weiterläuft, wo die Aktie gehandelt wird.
Da sowohl OpenAI als auch Anthropic in diesem Sommer vertrauliche IPO‑Prospekte bei der SEC eingereicht haben, könnte die Marktreaktion auf die Bewertungsschwankungen von SpaceX stillschweigend beeinflussen, wie aggressiv diese Unternehmen – und ihre Konsortialbanken – an ihre eigenen Preisentscheidungen herangehen.
FAQ
Was war am IPO‑Preis von SpaceX bemerkenswert?
Der Börsengang von SpaceX am 11. Juni war der teuerste in der Geschichte, mit einem Ausgabepreis von 135 US‑Dollar je Aktie und einem Emissionsvolumen von rund 75 Milliarden US‑Dollar durch den Verkauf von 555.555.555 Aktien.
Wie entwickelte sich die SpaceX‑Aktie unmittelbar nach dem Börsengang?
Die Aktie schoss am ersten Handelstag nach oben, eröffnete bei 150 US‑Dollar und schloss bei 160,95 US‑Dollar – ein Plus von 19 % gegenüber dem IPO‑Preis. Innerhalb von drei Tagen erreichte sie ein Tageshoch von 225,64 US‑Dollar und verschaffte SpaceX kurzzeitig eine Marktkapitalisierung von 2,95 Billionen US‑Dollar.
Warum gibt es Skepsis gegenüber der Bewertung von SpaceX?
Investor Michael Burry erklärte, dass nichts in der S‑1‑Einreichung von SpaceX eine Bewertung von 1–2 Billionen US‑Dollar rechtfertige, und verwies auf die für 2025 erwarteten Umsätze von 18,7 Milliarden US‑Dollar bei einem Nettoverlust von 4,9 Milliarden US‑Dollar. Morningstar setzte den fairen Wert bei lediglich 63 US‑Dollar je Aktie an – deutlich unter dem IPO‑Preis und dem Höchstkurs im Handel.
Wie hat sich die Aufnahme von SpaceX in den Nasdaq‑100‑Index auf den Aktienkurs ausgewirkt?
Am 7. Juli, als SpaceX in den Nasdaq‑100‑Index aufgenommen wurde, fiel die Aktie um mehr als 6 %, da Anleger, die im Vorfeld der Aufnahme gekauft hatten, die Gelegenheit nutzten, in das Ereignis hinein zu verkaufen – eine klassische „buy the rumor, sell the news“-Reaktion.
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