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Amazon-Microsoft-Cloud-Rennen: jeweils 200 Mrd. $, 1,2 Mrd. $ vs. 73 Mrd. $ Cashflow

Schon die Zahlen allein reichen aus, um Sie mitten im Scrollen zu stoppen. Amazon und Microsoft bereiten sich jeweils darauf vor, im Jahr 2026 rund 200 Milliarden US‑Dollar in den Ausbau von Rechenzentren zu investieren – ein Investitionsvolumen, das in der Geschichte der Technologiebranche beispiellos ist. Das Cloud‑Rennen zwischen Amazon und Microsoft, das sich über fast zwei Jahrzehnte entwickelt hat, ist in eine Phase eingetreten, in der die finanziellen Einsätze so hoch sind, dass schon ein Hauch von Enttäuschung in den Quartalszahlen über Nacht Milliarden an Börsenwert eines Unternehmens vernichten kann.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Amazon und Microsoft planen jeweils, im Jahr 2026 etwa 200 Milliarden US‑Dollar in Rechenzentren zu investieren, angetrieben durch die Nachfrage nach KI.
  • AWS hält etwa 28 % des Cloud‑Marktes; Microsoft Azure hält rund 21 %, zusammen kontrollieren sie die Hälfte des Weltmarktes.
  • Für AWS wird im Jahr 2026 ein Nettoumsatz von 168 Milliarden US‑Dollar prognostiziert, während Azure und die Cloud‑Dienste von Microsoft im Geschäftsjahr 2027 auf 148,9 Milliarden US‑Dollar geschätzt werden.
  • Das Geschäftsfeld Intelligent Cloud von Microsoft weist eine geschätzte operative Marge von 47 % auf, verglichen mit 35 % bei AWS, wobei unterschiedliche Berichtsstrukturen direkte Vergleiche erschweren.
  • Der freie Cashflow von Amazon ist in den vergangenen 12 Monaten stark auf 1,2 Milliarden US‑Dollar gefallen, während er bei Microsoft bei 73 Milliarden US‑Dollar lag – und sie finanzieren den Ausbau auf grundlegend unterschiedliche Weise.

Ein Ausgabenrennen ohne historisches Vorbild

Was derzeit in der Cloud‑Infrastruktur geschieht, ist kein normaler Investitionszyklus. Sowohl Amazon als auch Microsoft pumpen Geld in Grundstücke, Energie und Rechenleistung in einem Tempo, das noch vor fünf Jahren fantastisch gewirkt hätte. Amazon hat für das Jahr 2026 Investitionsausgaben von rund 200 Milliarden US‑Dollar für das gesamte Unternehmen in Aussicht gestellt. Microsoft gibt in vergleichbarem Umfang aus, um den Aufbau seiner KI‑Infrastruktur zu finanzieren.

Die treibende Kraft ist KI. Beide Unternehmen bauen nicht nur für die heutigen Workloads, sondern für eine Generation von KI‑Anwendungen, die sich noch in den Kinderschuhen befindet. Die derzeitige Handvoll durchbrechender KI‑Produkte – Coding‑Tools, Chat‑Assistenten – stellt nur den frühesten Bruchteil dessen dar, was die Infrastruktur letztlich bedienen wird.

Amazon‑CEO Andy Jassy hat deutlich gemacht, dass die Ausgaben nicht spekulativ sind. „Wir investieren nicht ungefähr 200 Milliarden US‑Dollar an Capex im Jahr 2026 aus dem Bauch heraus“, schrieb er in seinem jährlichen Aktionärsbrief. Er wies darauf hin, dass AWS sechs bis 24 Monate vor der Abrechnung mit Kunden in Kapazitäten investieren muss und dass ein erheblicher Teil der erwarteten Investitionsausgaben 2026 – von denen ein Großteil 2027 und 2028 monetarisiert wird – bereits durch Kundenverpflichtungen unterlegt ist. Dazu gehört eine Verpflichtung von OpenAI im Wert von mehr als 100 Milliarden US‑Dollar.

Wem gehört die Cloud – und wer wächst schneller

AWS vs. Azure: Marktanteile und Umsatzprognosen

Amazon Web Services hält laut Synergy‑Daten etwa 28 % des globalen Cloud‑Marktes und liegt damit vor Microsoft Azure mit rund 21 %. Zusammen kontrollieren die beiden Unternehmen etwa die Hälfte des Marktes, wobei Google Cloud mit je nach Quartal 12 % bis 14 % den dritten Platz einnimmt. Die Lücke zwischen AWS und Azure ist wichtig, aber was Investoren derzeit noch genauer beobachten, ist die Entwicklungskurve.

Basierend auf Visible‑Alpha‑Konsensschätzungen, die von S&P Global zusammengestellt wurden, wird erwartet, dass AWS im Jahr 2026 168 Milliarden US‑Dollar Nettoumsatz erreicht, gegenüber 128,7 Milliarden US‑Dollar im Vorjahr – ein Anstieg um 30,7 %. Die mit diesen Umsätzen verbundenen Margen sind bemerkenswert: eine Bruttomarge von 93,8 % und eine operative Marge von etwa 35,4 %.

Für Microsofts Azure und die breiteren Cloud‑Dienste wird prognostiziert, dass sie im Geschäftsjahr 2027 148,9 Milliarden US‑Dollar erreichen, was einem Anstieg von rund 40 % gegenüber etwa 106 Milliarden US‑Dollar im Geschäftsjahr 2026 entspricht, das im Juni endete. Melissa Otto, Global Head of Visible Alpha Research bei S&P Global, merkte an, dass Microsofts Tempo es beim Wachstum tatsächlich leicht vor AWS positioniert – auch wenn der Vergleich von einer etwas niedrigeren Umsatzbasis ausgeht.

Auftragsbestände und Kundenverpflichtungen signalisieren langfristige Nachfrage

Vielleicht aussagekräftiger als die aktuellen Umsätze sind die zukunftsgerichteten Verpflichtungszahlen. AWS weist einen aktuellen Auftragsbestand von 364 Milliarden US‑Dollar an verbleibenden Leistungsverpflichtungen aus – unterzeichnete Kundenverträge, die zukünftige Umsätze darstellen – und diese Zahl schließt den kürzlich angekündigten 100‑Milliarden‑US‑Dollar‑Deal mit Anthropic aus, so Analysten der Bank of America. Die Verpflichtungen für die In‑House‑Chip‑Umsätze von AWS sollen Berichten zufolge 225 Milliarden US‑Dollar übersteigen.

Das Bild bei Microsoft ist ähnlich groß, aber schwerer zu isolieren. Das Unternehmen meldete nahezu 627 Milliarden US‑Dollar an verbleibenden Leistungsverpflichtungen, ein Plus von 99 % im Jahresvergleich – diese Zahl umfasst jedoch das gesamte kommerzielle Geschäft, einschließlich Microsoft 365 und Dynamics, nicht nur Azure.

Die Größenordnung dieser Auftragsbestände ist wichtig, weil sie aus dem, was wie eine waghalsige Ausgabenwette aussehen könnte, etwas Strukturierteres macht. Die Unternehmen bauen nicht spekulativ; sie bauen zumindest zu einem erheblichen Teil, um bereits unterzeichnete Verträge zu erfüllen.

Finanzielle Performance und Kapitalstrategien unterscheiden sich deutlich

Rentabilität und operative Margen von AWS und Microsoft Intelligent Cloud

Das Geschäftsfeld Intelligent Cloud von Microsoft weist laut Visible‑Alpha‑Schätzungen, auf die sich S&P Global bezieht, eine geschätzte operative Marge von etwa 47 % auf und liegt damit über den 35 % von AWS. Otto beschrieb das Intelligent‑Cloud‑Geschäft als „sehr profitabel … profitabler als AWS und wächst schneller“. Der Vorbehalt ist jedoch real: Das Segment Intelligent Cloud umfasst ältere, margenstärkere Server‑Software, sodass die reine Azure‑Marge wahrscheinlich niedriger wäre als die gemischte Kennzahl.

Otto charakterisiert AWS und Azure weniger als direkte Konkurrenten und mehr als „Frenemies“ mit tatsächlich unterschiedlicher Positionierung. AWS spricht Start‑ups und große Machine‑Learning‑Workloads durch seine Flexibilität und Anpassbarkeit an, während Azure in Unternehmen hineinreicht, die bereits Microsoft‑Software einsetzen, was die Einführung erleichtert. Das Ergebnis ist, dass große Unternehmen, wenn sie an den Markt gehen, häufig bei beiden einkaufen.

Cashflow, Schulden und Finanzierungsansätze

Hier gehen die beiden Unternehmen am deutlichsten auseinander – und hier konzentriert sich die Sorge der Investoren am stärksten. Der freie Cashflow von Amazon fiel in den vergangenen 12 Monaten auf 1,2 Milliarden US‑Dollar, nach 25,9 Milliarden US‑Dollar im Jahr zuvor. Um den Ausbau zu finanzieren, hat Amazon seine Anleiheverbindlichkeiten auf mehr als 120 Milliarden US‑Dollar mehr als verdoppelt.

Microsoft agiert aus einer grundlegend anderen finanziellen Position heraus. Das Unternehmen gibt keine neuen Anleihen aus. Stattdessen finanziert es einen Ausbau von rund 35 Milliarden US‑Dollar pro Quartal direkt aus dem operativen Cashflow. Der freie Cashflow für die 12 Monate bis Ende März lag bei 73 Milliarden US‑Dollar, leicht höher als im Vorjahr. Der Kontrast ist deutlich: Das eine Unternehmen hebelt seine Bilanz aggressiv, das andere schreibt Schecks aus dem, was es verdient.

Analysten warnen, dass ein direkter Vergleich der beiden Cashflow‑Zahlen durch Unterschiede in der Finanzstruktur von Amazon und Microsoft erschwert wird. Aber das Richtungssignal ist deutlich genug: Das finanzielle Polster von Microsoft ist deutlich größer, und sein Finanzierungsansatz birgt weniger Bilanzrisiko, wenn es in eine möglicherweise längere Phase geht, bevor sich die Investitionen in die KI‑Infrastruktur auszahlen.

Worauf Investoren achten – und warum die Einsätze so hoch sind

Der Kontext für die Gewinnberichte dieser Woche wurde durch die Erfahrungen von Alphabet scharf gezeichnet. Am vergangenen Donnerstag fiel die Alphabet‑Aktie um 7 %, nachdem das Unternehmen seine Prognosen für Investitionsausgaben angehoben und im zweiten Quartal einen negativen freien Cashflow gemeldet hatte. Die Reaktion des Marktes signalisierte etwas Wichtiges: Investoren sind nicht länger bereit, KI‑Ambitionen bedingungslos Kredit zu geben. Sie wollen die finanzielle Disziplin hinter den Ausgaben sehen.

Bei Amazon und Microsoft wird sich die Prüfung auf Umsatzwachstum, Gewinnmargen, Kundenauftragsbestände und Kapitalrenditen konzentrieren. Luke Rahbari, CEO von Equity Armor Investments, der beide Aktien in mehreren Portfolios hält, brachte die Logik des Wettbewerbs unverblümt auf den Punkt: „Wer das Geld kontrolliert, kontrolliert die Gewinner. Man muss so viel Geld wie möglich aufsaugen, damit nicht mehr so viel Geld für andere Spieler zur Verfügung steht.“

Amazon und Microsoft gehören beide zu den fünf größten Gewichtungen im S&P 500 und machen zusammen 8 % bis 9 % des Index aus. Das bedeutet, dass praktisch jeder, der für den Ruhestand spart, indirekt dem Ausgang dieses Cloud‑Wettbewerbs ausgesetzt ist. Die Microsoft‑Aktie wird mit etwa dem 23‑fachen der erwarteten Gewinne gehandelt; die von Amazon mit etwa dem 27‑fachen, so Daten von S&P Capital IQ. Seit Jahresbeginn ist die Microsoft‑Aktie um rund 19 % gefallen, während Amazon weitgehend seitwärts lief und etwa 2,5 % zulegte.

Die tiefere analytische Frage ist nicht, ob die Nachfrage nach KI‑Cloud‑Diensten real ist – die Auftragsbestandszahlen deuten stark darauf hin –, sondern ob der Zeitplan für die Monetarisierung der Investitionen mit der Geduld der Investoren vereinbar ist. AWS räumt ein, dass die jetzt aufgebaute Kapazität größtenteils 2027 und 2028 monetarisiert wird. Microsoft hat signalisiert, dass das Unternehmen seine eigenen KI‑Produkte bei knapper GPU‑Kapazität priorisiert, bevor es den Rest Azure‑Kunden zuweist – ein Trade‑off, der die Aufmerksamkeit der Investoren auf sich gezogen hat.

Die Produkte, die die Infrastruktur letztlich rechtfertigen werden, befinden sich noch in der Entwicklung. Ob Investoren beiden Unternehmen die nötige Zeit einräumen, um diesen Punkt zu erreichen – ohne ihre Aktien weiter zu bestrafen –, ist die eigentliche Frage, die über der Berichtssaison schwebt.

FAQ

Wie viel wollen Amazon und Microsoft im Jahr 2026 in Rechenzentren investieren?

Sowohl Amazon als auch Microsoft planen, im Jahr 2026 jeweils rund 200 Milliarden US‑Dollar für den Ausbau von Rechenzentren auszugeben, was ein beispielloses Niveau an Investitionsausgaben in der Technologiebranche darstellt.

Wie hoch sind die aktuellen Marktanteile von AWS und Microsoft Azure?

Amazon Web Services hält etwa 28 % des globalen Cloud‑Marktes, während Microsoft Azure rund 21 % hält, so Synergy‑Daten. Zusammen kommen sie auf etwa die Hälfte des Marktes, mit Google Cloud auf dem dritten Platz.

Wie finanzieren Amazon und Microsoft ihren Cloud‑Ausbau unterschiedlich?

Amazon hat seine Anleiheverbindlichkeiten auf mehr als 120 Milliarden US‑Dollar erhöht, um den Ausbau mitzufinanzieren, wobei der freie Cashflow in den vergangenen 12 Monaten stark auf 1,2 Milliarden US‑Dollar gefallen ist. Microsoft hingegen finanziert seinen Ausbau von rund 35 Milliarden US‑Dollar pro Quartal hauptsächlich über den operativen Cashflow, ohne neue Anleihen auszugeben, und meldete für die 12 Monate bis Ende März einen freien Cashflow von 73 Milliarden US‑Dollar.

Auf welche Finanzkennzahlen werden Investoren in den kommenden Gewinnberichten achten?

Investoren werden Umsatzwachstum, Gewinnmargen, Kundenauftragsbestände und Kapitalrenditen beider Unternehmen genau prüfen, mit besonderem Augenmerk darauf, ob die enormen Capex‑Verpflichtungen sich in nachhaltiges Umsatz‑ und Margenwachstum übersetzen.

Artikel unter Mitwirkung künstlicher Intelligenz erstellt und von der Redaktion überprüft.

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