Ein neuer Bauplan für Geldtransfers zwischen Tokio und Seoul nimmt Gestalt an – und er beginnt mit etwas überraschend Bescheidenem: Test-Token ohne realen Wert. Die SBI Group und das koreanische Blockchain-Infrastrukturunternehmen Nodeinfra haben eine Absichtserklärung zur Entwicklung eines grenzüberschreitenden Zahlungsnetzwerks unterzeichnet, das japanische und koreanische Finanzinstitute verbindet. In der frühen Phase dieser SBI Korea Japan Stablecoin-Initiative wird man sich auf experimentelle Yen- und Won-Token statt auf kommerzielle Stablecoins stützen. Das Projekt mit dem Namen Project Musubi ist darauf ausgelegt, letztlich reale Zahlungen abzuwickeln, befindet sich aber vorerst in einer Test-Sandbox, während die Regulierungsbehörden in beiden Ländern nachziehen.
Summary
Wichtigste Erkenntnisse
- SBI und Nodeinfra werden Yen- und Won-Zahlungs-Token testen, bevor regulierte Stablecoins kommerziell eingeführt werden.
- Project Musubi läuft auf dem Canton Network und nutzt atomare Zahlung-gegen-Zahlung-Abwicklung sowie verteiltes Peer-Netting.
- SBI Digital Practice verbindet japanische Institute; Nodeinfra entwickelt Abwicklungsprotokolle und bindet koreanische Partner an.
- In Japan existiert bereits der im Juni gestartete JPYSC-Stablecoin von SBI, während Südkoreas Regeln für Won-Stablecoins noch verhandelt werden.
- Es wurden bisher weder ein kommerzielles Startdatum, noch teilnehmende Institute oder ein Won-Emittent genannt.
SBI und Nodeinfra starten Tests für grenzüberschreitendes Stablecoin-Netzwerk
Bevor irgendein regulierter Stablecoin zwischen Japan und Südkorea den Besitzer wechselt, müssen Ingenieure beweisen, dass die Infrastruktur funktioniert. Das ist die Logik hinter dem Start von Project Musubi mit simulierten Währungen statt echtem Geld – ein vorsichtiger erster Schritt, der widerspiegelt, wie ungeklärt die regulatorische Lage in beiden Märkten noch ist.
Erste Nutzung von Yen- und Won-Test-Token
Die anfängliche Testphase wird laut den Unternehmen auf einem Yen-Test-Token und einem Won-Test-Token basieren. SBI und Nodeinfra haben erklärt, dass sie auf vollständig regulierte Stablecoins umstellen wollen, sobald die rechtlichen Rahmenbedingungen in Japan und Südkorea dies zulassen. Keines der Unternehmen hat ein kommerzielles Startdatum genannt oder offengelegt, welche Banken, Börsen oder Zahlungsdienstleister letztlich teilnehmen könnten.
Technologiearchitektur auf Basis des Canton Network
Project Musubi befindet sich noch in der Entwicklung und fungiert noch nicht als Live-Zahlungsdienst. Die geplante Architektur stützt sich auf das Canton Network, um atomare Zahlung-gegen-Zahlung-Abwicklung, verteiltes Peer-Netting und Selbstverwaltung der Mitglieder zu ermöglichen. Atomare Abwicklung ist wichtig, weil sie darauf ausgelegt ist, beide Seiten einer grenzüberschreitenden Transaktion gleichzeitig abzuschließen und so das Risiko zu verringern, dass eine Partei Gelder sendet, während die andere Seite nicht liefert.
Rollen von SBI Digital Practice und Nodeinfra bei der Netzwerkentwicklung
Die beiden Partner haben die Verantwortlichkeiten entlang nationaler Linien aufgeteilt und kombinieren SBIs inländische Reichweite in Japan mit dem technischen Aufbau von Nodeinfra für die koreanische Seite des Netzwerks.
Anbindung japanischer Finanzinstitute
SBI Digital Practice, die SBI-Group-Tochter, die das Projekt steuert, wird Integrationsschichten aufbauen, die bestehende japanische Finanzsysteme mit dem Netzwerk verbinden. Das Unternehmen plant, auf die bestehenden institutionellen Beziehungen der SBI Group zurückzugreifen, um das Onboarding in ganz Japan zu unterstützen.
Entwicklung von Protokollen und Tools für koreanische Institute
Nodeinfra ist derweil damit beauftragt, das zentrale Abwicklungsprotokoll zu entwickeln, zusammen mit Daml-Smart-Contracts und Entwickler-Tools, und gleichzeitig koreanische Finanzinstitute und Verwahrer beim Onboarding zu unterstützen. Diese Arbeitsteilung spiegelt ein breiteres Muster bei grenzüberschreitenden Digital-Asset-Projekten wider, bei denen ein Partner die inländische Distribution und der andere die Protokoll-Entwicklung liefert.
Bestehende Stablecoin-Landschaft und regulatorisches Umfeld
Japan und Südkorea nähern sich regulierten Stablecoins von sehr unterschiedlichen Ausgangspunkten, und diese Lücke hilft zu erklären, warum Project Musubi mit Test-Token statt mit produktionsreifen Währungen beginnt.
Start des japanischen JPYSC-Stablecoins
SBIs inländische Infrastruktur ist deutlich weiter entwickelt als die Koreas. Die Gruppe brachte im Juni JPYSC über die SBI Shinsei Trust Bank auf den Markt und bezeichnete ihn als Japans ersten treuhandbasierten Yen-Stablecoin. SBI brachte JPYSC am 24. Juni in Umlauf, wobei SBI VC Trade den Primärvertrieb übernahm. Bemerkenswert ist, dass die Musubi-Ankündigung nicht bestätigt, ob JPYSC tatsächlich in der anfänglichen grenzüberschreitenden Testphase verwendet wird – dieses Detail ist noch offen.
SBI Digital Practice selbst ist eine relativ neue Einheit. SBI benannte seine Tochtergesellschaft, die zuvor als SBI Security Solutions bekannt war, im Juni um und richtete sie neu auf institutionelle Onchain-Finanzierung aus, die auf dem Canton Network basiert und mehrere Länder und Währungen umfasst.
Laufende Stablecoin-Gesetzgebung in Südkorea
Im Rahmen eines umfassenderen Digital Asset Basic Act erarbeitet Südkorea regulatorische Maßnahmen für won-denominierte digitale Vermögenswerte, und zentrale Bestimmungen zu Emission und Umlauf werden noch verhandelt. Dies ist die zentrale regulatorische Abhängigkeit des gesamten Projekts: Ohne klare Regeln für einen Won-Stablecoin bleibt Nodeinfra und seinen koreanischen Partnern kaum etwas anderes übrig, als mit einem Token zu testen, der noch kein rechtliches oder monetäres Gewicht trägt.
Warum das wichtig ist: Der Zeitplan für die Umwandlung von Project Musubi in einen echten Zahlungskorridor zwischen den beiden Volkswirtschaften hängt fast vollständig davon ab, wie schnell die koreanischen Gesetzgeber diesen Rahmen fertigstellen. Die japanische Seite des Netzwerks kann schneller vorankommen, da JPYSC bereits in regulierter Form existiert, aber eine japanisch-koreanische Abwicklungsstrecke ist nur so schnell wie ihr langsamstes regulatorisches Glied.
Strategische Ziele von Project Musubi und zukünftige Expansion
Über die technischen Tests hinaus stellen SBI und Nodeinfra dieses Projekt als langfristige Infrastrukturwette und nicht als einmaliges Pilotprojekt dar.
Vision, neue Standards für Japan-Korea-Zahlungen zu setzen
Ryo Shimotsu, Repräsentativdirektor von SBI Digital Practice, sagte, die Gruppe beabsichtige, Musubi mit SBIs breiterer Onchain-Infrastruktur zu verbinden. Laut Shimotsu zielen die Unternehmen darauf ab, einen „neuen Standard“ für die japanisch-koreanische Zahlungsinfrastruktur zu setzen – eine Aussage, die ein Ziel beschreibt, nicht ein bereits erreichtes Ergebnis. Sie signalisiert, dass SBI dieses Netzwerk weniger als isoliertes Produkt und mehr als Grundbaustein für Onchain-Finanzierung zwischen den beiden Märkten betrachtet.
Pläne zur Expansion über Japan und Südkorea hinaus
Die Partner haben erklärt, dass sie Die Roadmap umfasst eine Ausweitung von Project Musubi über den Japan-Korea-Korridor hinaus, um zusätzliche Währungen, Regulierungszonen und verschiedene Anlageklassen einzubeziehen. Dieses Vorhaben bleibt ein formuliertes Ziel und ist noch kein bestätigter Rollout, und es wurde kein Zeitplan dafür genannt. Konkrete Meilensteine, die darüber entscheiden werden, ob dieses grenzüberschreitende Stablecoin-Netzwerk vorankommt, sind vorerst der Abschluss der Tests, die Teilnahme regulierter Institute und ausreichende regulatorische Klarheit in beiden Ländern, um die Einführung kommerzieller Stablecoins zu rechtfertigen.
Die breitere Bedeutung ist hier ebenso wettbewerbsbezogen wie technisch. In Japan laufen bereits mehrere Stablecoin-Initiativen – darunter JPYSC und ein separat berichtetes gemeinsames Stablecoin-Projekt der drei japanischen Megabanken –, während südkoreanische Institute noch auf die gesetzliche Grundlage warten. Ein funktionierendes japanisch-koreanisches Abwicklungsnetzwerk würde SBI einen frühen Fuß in einer der ersten regulierten grenzüberschreitenden Stablecoin-Korridore Asiens verschaffen und die Gruppe vor Wettbewerbern positionieren, die noch auf ihre Heimatmärkte beschränkt sind.
FAQ
Warum verwenden SBI und Nodeinfra zunächst Test-Token statt Stablecoins?
Sie verwenden Yen- und Won-Test-Token aufgrund regulatorischer Unsicherheiten und unvollständiger Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte in Japan und Südkorea.
Welche Technologie bildet die Grundlage für das Zahlungsnetzwerk von Project Musubi?
Project Musubi läuft auf dem Canton Network, das darauf ausgelegt ist, atomare Zahlung-gegen-Zahlung-Abwicklung und verteiltes Peer-Netting zwischen den Teilnehmern zu unterstützen.
Welche Rolle spielen SBI Digital Practice und Nodeinfra in dem Projekt?
SBI Digital Practice bindet japanische Finanzinstitute an das Netzwerk an, während Nodeinfra das Abwicklungsprotokoll und Smart Contracts entwickelt und das Onboarding koreanischer Institute und Verwahrer unterstützt.
Welche Zukunftspläne gibt es für Project Musubi über den anfänglichen Japan-Korea-Korridor hinaus?
Die Partner planen, das Netzwerk auf zusätzliche Währungen, Jurisdiktionen und Anlageklassen auszuweiten, sobald in den relevanten Märkten mehr regulatorische Klarheit herrscht, auch wenn es dafür noch keinen bestätigten Zeitplan gibt.
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